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Assistenzsysteme in Autos schützen nicht nur deren Insassen

13. April 2017

Die zunehmende Verbreitung von Fahrassistenz-Systemen erhöht nicht nur die Sicherheit der Autoinsassen. Auch andere Verkehrsteilnehmer wie Fussgänger und Velofahrer profitieren von dieser Entwicklung.

(Text: Mario Cavegn, Teamleiter Forschung Strassenverkehr bei der bfu - Beratungsstelle für Unfallverhütung)

Autos werden immer sicherer. Auch dank verschiedenster Fahrassistenz-Systeme, die selbst in Kleinwagen zunehmend Einzug finden. Dabei bringen Assistenz-Systeme nicht nur Vorteile für den Autofahrer und seine Passagiere. Von einigen Systemen profitieren auch andere Verkehrsteilnehmer. Dass das Fahrzeug dank ABS selbst bei einer Vollbremsung lenkbar bleibt, oder dank BAS einen kürzeren Bremsweg aufweist, kommt gerade auch Fussgängern und Radfahrenden zugute. Sie profitieren auch von Lichtassistenten inklusive Nachtsichtgeräten, Abbiegelicht, Gefahren-Markierungslicht und dergleichen.

Zunehmend gelangen auch Systeme auf den Markt, die explizit auf den Schutz von schwachen Verkehrsteilnehmenden wie Velofahrer und Fussgänger ausgerichtet sind. Moderne Notbrems-Assistenten erkennen nicht nur eine drohende Kollision mit vorausfahrenden Fahrzeugen, sondern auch mit Personen, die zu Fuss oder sogar mit dem Velo unterwegs sind. Idealerweise sind die Systeme so gestaltet, dass sie in kritischen Situationen nicht nur den Autofahrer warnen, sondern wenn nötig selbst eine Notbremsung einleiten. Mit Notbrems-Assistenten können jedoch nicht alle Unfälle vermieden werden. Insbesondere, wenn Fahrzeuge schnell unterwegs sind oder Fussgänger erst spät sichtbar werden, reicht der zur Verfügung stehende Weg für eine Bremsung bis zum Stillstand mitunter nicht aus. Hier kann nur ein Ausweichmanöver eine Kollision verhindern. Wie die Erfahrung zeigt, leitet der Mensch in solchen Situationen zwar intuitiv die richtige Lenkbewegung ein, schafft es aber oftmals nicht, das Hindernis unfallfrei zu umkurven. Auch hier hilft die Technik weiter. Ausweich-Assistenten können derartige Fahrmanöver schneller, präziser und sicherer zu Ende bringen. Grundvoraussetzung für deren Funktionieren ist jedoch, dass sie den Verkehrsraum weiträumig überwachen und die Bewegung aller relevanten Personen antizipieren können. Letzteres stellt gerade bei Radfahrern eine grosse Herausforderung dar.

Doch selbst durch Ausweich-Assistenten werden sich nicht alle Kollisionen mit verletzlichen Ver-kehrsteilnehmenden vermeiden lassen. Deshalb darf trotz der Ausstattung mit Fahr-Assistenten nicht auf passive Systeme zur Verletzungsminderung verzichtet werden. Auch in diesem Bereich existieren innovative Technologien, wie beispielsweise spezielle Motorhauben, die sich im Falle einer Frontalkollision mit einem Fussgänger oder Radfahrer anheben. Dadurch wird der Deformationsraum vergrössert, so dass sich die biomechanischen Belastungen für die Kollisionsopfer reduzieren. Auch Aussenairbags bieten einen erweiterten Schutz. Sie können insbesondere den harten Bereich der Windschutzscheibe und der A-Säulen (Dachstützen) abdecken. Leider sind derartige Systeme noch wenig verbreitet.

Das Unfallgeschehen der Fussgänger und Radfahrenden hat sich in Vergangenheit vergleichsweise wenig reduziert. In Anbetracht dieser unerfreulichen Entwicklung legen Sicherheitsexperten grosse Hoffnungen in den fahrzeugseitigen Partnerschutz. Leider hat die Automobilindustrie diesen Bereich viele Jahre sehr stiefmütterlich behandelt. Das bescheidene Interesse der Hersteller hängt sicher auch mit der geringen Nachfrage zusammen. Es ist an der Zeit, nicht nur die technologische Weiterentwicklung voranzutreiben, sondern auch forciert darauf hinzuwirken, dass Assistenz-Systeme zum Partnerschutz möglichst rasch und breit in Personenwagen implementiert werden. Hier-zu reicht eine Sensibilisierung der Autokäufer nicht aus; es braucht auch gesetzliche Vorgaben. Die EU-Kommission denkt über eine Einbaupflicht für automatische Bremssysteme bei Autos nach. In Kraft treten könnte ein Ausrüstungsobligatorium 2020 für neue Fahrzeugtypen und zwei Jahre später für sämtliche Neuwagen. Die Pläne befinden sich aber noch in einem frühen Stadium.


Fahrassistenz-Systeme und Verkehrssicherheit - ein Interview mit Bernhard Gerster

16. November 2016

Der Mensch ist Unfallursache Nummer 1. Fahrassistenz-Systeme (FAS) unterstützen das schwächste Glied in der Sicherheits-Kette und tragen so zur Erhöhung der Verkehrssicherheit bei. Die Entwicklung schreitet rasch voran. Bis eines Tages auch autonome Fahrzeuge auf den Strassen fahren, sind jedoch noch einige Hürden zu meistern. Wir haben dazu mit Bernhard Gerster, Dozent für Fahrzeugmechanik und –sicherheit, sowie Abteilungsleiter Automobiltechnik an der Fachhochschule Biel, ein Interview geführt.