Autos sind nur so sicher wie sein Fahrer

Was uns auch das sicherste Auto nicht abnimmt

Auch wenn in den Medien immer wieder von selbstfahrenden Autos gesprochen wird. Heutige Fahrassistenz-Systeme nehmen dem Fahrer oder der Fahrerin die Verantwortung nicht ab. Wer am Steuer eines Autos sitzt muss stets die Kontrolle über das Fahrzeug haben.

Ob man mit 30 km/h oder 50 km/h unterwegs ist, macht einen riesigen Unterschied. Eine Vollbremsung bringt es an den Tag: Dort, wo das Auto im ersten Fall zum Stillstand kommt, ist es im zweiten Fall immer noch ungebremste 50 km/h schnell. Der Reaktionsweg ist massiv länger. Dieses Beispiele macht deutlich, dass das menschliche Sicherheitsverhalten immer noch das A und O ist. Und das fängt schon vor dem Losfahren an:

Der entscheidende Sicherheits-«Klick»

Kein Airbag macht den Gurt überflüssig. Wenn bei Euro NCAP der Insassenschutz getestet wird, sind immer alle Insassen-Dummys, inklusive Kinder, korrekt angegurtet. Kinder unter sieben Jahren müssen immer mit einer Kinderrückhaltevorrichtung gesichert sein (zunächst Babyschale, später Kindersitz). Kinder bis 12 Jahre und unter 1.50 m Körpergrösse müssen mit einem Sitzerhöher - am besten mit Rückenlehne - gesichert werden.

Die richtige Einstellung der Kopfstütze

Die Überprüfung ist ganz einfach: Die Kopfstütze ist dann richtig eingestellt, wenn die Höhe stimmt – Oberkante Kopfstütze auf gleicher Höhe wie Oberkante Kopf – und wenn der Abstand stimmt, d.h. wenn Hinterkopf und Kopfstütze sich berühren. Ist die Kopfstütze weder zu tief noch zu weit weg, trägt sie wesentlich dazu bei, dass es bei einem Auffahrunfall nicht zu einem Schleudertrauma kommt.

Langsamer = sicherer!

Angepasste Geschwindigkeit ist immer noch der Schlüsselfaktor. Mit der Geschwindigkeit nimmt nicht nur die Bewegungsenergie im Quadrat zu, auch die Verletzungsfolgen verschlimmern sich überproportional. Der Unterschied zwischen Tempo 50 und Tempo 55 scheint klein. Irrtum: Da, wo das Auto mit Ausgangsgeschwindigkeit 50 km/h nach der Vollbremsung still steht, kommt das gleiche Auto mit Ausgangsgeschwindigkeit 55 km/h immer noch mit 28.2 km/h daher. D.h.: Kollisionsgeschwindigkeit 28.2 km/h statt 0 km/h[1].

In einer Studie wurde nachgewiesen, dass zu Fuss gehende Kinder 3.2-mal seltener verunfallen, wenn die mittlere Geschwindigkeit unter 40 km/h liegt, als wenn sie um 50 km/h liegt. Bei Geschwindigkeiten über 60 km/ steigt das Unfallrisiko gar um den Faktor 6 an[2].

Handy am Steuer – halb so schlimm? Von wegen!

Der heutige, dichte Strassenverkehr erfordert vorausschauendes Fahren und schnelle Reaktionen. Wer am Steuer sein Navigationsgerät bedient, ein SMS schreibt oder telefoniert, ist mit seinen Gedanken irgendwo, nur nicht auf der Strasse. Die Folgen der langsameren Reaktion und der Falscheinschätzung von Situationen heissen: Auffahrunfälle, Missachtung des Fussgängervortritts usw. Die ablenkende Wirkung eines Telefongesprächs ist nicht vergleichbar mit dem Gespräch mit einem Beifahrer, der am Verkehr teilnimmt. Es hilft auch wenig, eine Freisprechanlage zu benutzen. Denn nicht nur die Hände müssen frei sein, sondern auch der Kopf.


[1] Berechnungen Felix Walz, agu Zürich
[2] Wazana A., Krueger P., Raina P. Chambers L.: A review of risk factors for child pedestrian injuries: Are they modifiable?, Inj Prev. 1997; 3:295-304.