«EuroNCAP», ein Zusammenschluss von Automobilclubs, Verkehrsbehörden und Warentestern aus ganz Europa, steht für Europäisches Neuwagen-Bewertungs-Programm (European New Car Assessment Programme). Euro NCAP führt regelmässig Crashtests nach standardisierten Bedingungen durch.
Für jeden EuroNCAP-Test werden bis zu vier Fahrzeuge gecrasht: eines im Frontalaufprall bei 64 Stundenkilometern (km/h), eines im Seitenaufprall bei Tempo 50 und eines beim Fussgängerunfall mit 40 km/h. Autos mit Kopf-Airbags werden zusätzlich mit einem Pfahl gecrasht, der den seitlichen Aufprall auf einen Baum mit 29 km/h simuliert. Hochgeschwindigkeitskameras und Sensoren in den Dummys registrieren alle wichtigen Details. Unfallexperten werten die Ergebnisse aus und bewerten das Risiko für Lenker und Fahrgäste. Unter «aktive Sicherheit» (safety assist) bewertet EuroNCAP die Ausrüstung mit ESC, die Gurtanlege-Erinnerung und Systeme zur Geschwindigkeitsbegrenzung.
Anfang 2009 hat EuroNCAP grössere Umstellungen in seinem Testprogramm vorgenommen. Neu erhält jeder Neuwagen eine Gesamtbewertung, in die nebst dem Insassenschutz auch der Fussgängerschutz und die aktive Sicherheit einfliessen. Im neuen Whiplash-Testverfahren wird bei drei Aufprallgeschwindigkeiten getestet, wie gut Kopf und Halswirbel bei einem Auffahrunfall geschützt sind. Damit ein Auto die Höchstbewertung erhält, muss es in den Bereichen Insassenschutz, Fussgängerschutz und aktive Sicherheit Mindestlimiten erfüllen. Dabei hinkt der Partnerschutz hinterher: So muss 2009 ein Fünfsterne-Auto beim Erwachsenen-Insassenschutz mindestens 75% erreichen, beim Fussgängerschutz reichen schon 25%. Immerhin will EuroNCAP die Fussgängerschutz-Anforderungen von Jahr zu Jahr erhöhen und damit auf die Autohersteller, in deren Augen das Thema Fussgängerschutz schon heute überbewertet ist, Druck ausüben. Fünf Sterne gibt es zudem nur dann, wenn ESC bei mindestens 85 Prozent aller Motorisierungsvarianten des getesteten Modells an Bord ist.
Besuchen Sie EuroNCAP.
Wer bei Autoherstellern nach Angaben zur Kompatibilität fragt, trifft auf taube Ohren. Im Rahmen der EuroNCAP-Tests wäre entsprechendes Datenmaterial vorhanden, doch es bleibt unter Verschluss. Mit dem Ziel auf Grund öffentlich zugänglicher Daten trotzdem eine Aussage zur Kompatibilität machen zu können, erteilte der Verkehrs-Club der Schweiz (VCS) der DTC Dynamic Test Center AG den Auftrag, eine Studie zur Bewertung der Kompatibilität zwischen den meistverkauften Personenwagen in der Schweiz durchzuführen. Ziel der Studie war die Bewertung der Fremdgefährdung von Fahrzeugen bei einer Frontalkollision. Als Ergebnis der Kompatibilitätsbewertung sollten die Fahrzeuge in drei Kategorien (gut-genügend-ungenügend) eingeteilt werden können. Bei der Bewertung der Fremdgefährdung wurde ausschliesslich auf das Gefahrenpotential geachtet, welches bei einer Kollision auf den Kollisionspartner einwirkt. Da der Selbstschutz durch den Euro NCAP bereits umfangreich bewertet wird, wurde bei der Festlegung von Grenzwerten für die Fremdgefährdung der Selbstschutz vollständig ausser Acht gelassen. Unter dieser Betrachtung weist ein möglichst weiches Fahrzeug mit homogener Frontsteifigkeitsverteilung, welches sich am Kollisionspartner gleichmässig abstützt und gleichzeitig eine geringe Masse aufweist, die geringste Fremdgefährdung auf. Bei der Prüfung der verschiedenen verfügbaren Fahrzeugdaten hat sich die deformierbare Offsetbarriere des Euro-NCAP beim Frontalanprall als gute Referenz zur Bewertung der Kompatibilität erwiesen. Je ungünstiger die Konstellation bezüglich der Geometrie, der Steifigkeit, der Steifigkeitsverteilung und der Masse zwischen Fahrzeug und Barriere ist, desto schneller wird diese deformiert und das Fahrzeug stützt sich an der Barrierenabstützung ab. Die Studie hat gezeigt, dass die Sensitivität der Barrierendeformationszeit von der Frontsteifigkeit in ähnlichem Masse beeinflusst wird, wie von der Fahrzeugmasse. Die Barrierendeformationszeit konnte mit einer genügenden Genauigkeit anhand der publizierten High-Speed Filme der Euro NCAP Frontalaufprallversuche bestimmt werden.
Mehr zum Thema Partnerschutz.
Voraussetzung für die Vergabe des Gütezeichens «rundum sicher» ist, dass Mindestanforderungen in allen relevanten Sicherheitsbereichen – Insassenschutz (Erwachsene und Kinder), Partnerschutz (Fussgänger, Velofahrer und Insassen im anderen Auto) sowie aktive Sicherheit (ESC) – erfüllt werden (Balanced-Ansatz). Denn die grössten Verbesserungspotenziale liegen heute in der Behebung der Sicherheitsdefizite beim Partnerschutz und der bei der aktiven Sicherheit (Vgl. Unfälle mit PW's in der Schweiz).
«Dieses Auto bietet optimale Sicherheit für Sie wie für die anderen Verkehrsteilnehmenden und ist mit ESC ausgerüstet. »
Mindestanforderungen: Insassenschutz Erwachsene 4 Sterne x1, Insassenschutz Kinder 3 Sterne, Fussgängerschutz 3 Sterne, Partnerschutz «gut», ESC serienmässig in allen Modellen.
x1, bzw. Punkteäquivalenz nach neuem EuroNCAP-Rating.
«Dieses Auto weist in einem oder zwei Bereichen Sicherheitsdefizite auf.»
Als Sicherheitsdefizit gilt: Insassenschutz Erwachsene 3 Sterne, Insassenschutz Kinder 2 Sterne, Fussgängerschutz 2 Sterne, Partnerschutz «mittel», ESC: teils nur optional bzw. nicht erhältlich.
«Dieses Auto weist in drei Bereichen Sicherheitsdefizite auf oder ist in einem Bereich ungenügend.»
Als ungenügend gilt: Insassenschutz Erwachsene 2 Sterne, Insassenschutz Kinder 2 Sterne, Fussgängerschutz 1 Stern, Partnerschutz «ungenügend», ESC in keinem Modell verfügbar.
«Die Sicherheit dieses Autos ist in zwei Bereichen ungenügend oder in einem Bereich äusserst schlecht.»
Als äusserst schlecht gelten 0 Sterne im Fussgängerschutz.
«Die Sicherheit dieses Autos ist in drei Bereichen ungenügend oder in einem Bereich ungenügend plus in einem Bereich äusserst schlecht.»